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18.11.2009

Lesezeit: etwa 2 Minuten

Studenten demonstrieren für den Erhalt des alten deutschen Bildungssystems

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Derzeit demonstrieren die Schüler und Studenten gegen eine seelenlose Massen-Universität, die immer mehr Stoff und Prüfungen vorsieht und zugleich für die Studierenden kaum noch bezahlbar ist. Die falsche Zielvorgabe „Bildung für alle“ und die Geringschätzung von Haupt- und Realschule hat zu einem massiven Anstieg der Studierenden gesorgt, was überfüllte Hörsäle und eine um sich greifenden Orientierungslosigkeit unter den Studenten zur Folge hat. Eigentlich demonstrieren die Studenten gegen die „Bologna University“ mit ihrem „Bachelor“- und „Master“-Abschluß und für das alte deutsche Bildungsideal von Wilhelm von Humboldt mit dem Prinzip der Einheit von Forschung und Lehre und der allseitigen humanistischen Bildung.

Der Bologna-Prozeß begann 1998 mit der „Sorbonne-Deklaration“, einer Absichtserklärung Frankreichs, Englands, Deutschlands und Italiens, ihre Hochschulwesen zu vereinheitlichen. 1999 folgte die Erklärung von Bologna, in der 29 europäische Nationen diese Vereinheitlichung im Rahmen der EU fixieren. Der Prozeß soll 2010 abgeschlossen sein:
Schule und Universität sind dann Anstalten zur Vermittlung bedarforientiertes Fachwissens für den kapitalistischen Markt. Der Bologna-Prozeß hat das einst leistungsfähige deutsche Bildungssystem schwer geschädigt. Zusätzliche Experimente, wie das von der CSU durchgedrückte achtjährige Gymnasium, haben Kinder und Eltern zusätzlich belastet. Schon vor Jahren attestierte der Publizist Konrad Adam: „Fast durchweg bieten die deutschen Universitäten das Bild eines immens teuren und immens uneffektiven, im ganzen also desolaten Ausbildungsbetriebes.“ 

Die „Bologna University“ entläßt aus überfüllten Hörsälen frustrierter Akademiker in den Arbeitsmarkt, wo diese nur winzige austauschbare Einheiten im kapitalistischen Getriebe bleiben und zudem jederzeit von indischen oder ukrainischen Studienabgängern im Preis unterboten werden können.
 
Die Schule nach deutschen Vorstellungen hat aber die Charakterbildung und die Herausbildung gegebener Talente zu fördern anstatt eine Dressur zum kapitalistischen Massenmenschen zu betreiben. Allein der Vergleich von heutigen Schulbüchern mit denen vor etwa 40 Jahren zeigt den Trend zur seelenlosen Ausbildung. Ein ganz wichtiger Aspekt ist die Wertschätzung auch sogenannter „einfacher Arbeit“, die dem unbedingten Drang zu einer „höheren Schulbildung“ den Wind aus den Segeln nehmen könnte. Der alte deutsche Handwerker und Facharbeiter hatte womöglich eine breitere Bildung, als der heutige Student.
 

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