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20.11.2009

Lesezeit: etwa 5 Minuten

Studentenproteste erreichen bayerische und fränkische Hochschulen

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Die an vielen bundesdeutschen Hochschulen stattfindenden Proteste der Studierenden gegen das aktuelle Hochschulwesen haben nun auch die bayerischen und fränkischen Bildungseinrichtungen erreicht. Während in Nürnberg  am vergangenen Dienstag rund 4000 Studenten für bessere Bildungschancen auf die Straße gingen, kam es in München, Würzburg, Bayreuth, Bamberg und anderen Hochschulstandorten zu Hörsaalbesetzungen. Protestiert wurde vor allem gegen die vor einiger Zeit im Freistaat Bayern eingeführten Studiengebühren in Höhe von 500 Euro pro Semester.

An die Spitze des Protestes stellten sich mancherorts neomarxistische Gruppierungen, welche dieses Thema zur massenwirksamen Propagierung eigener ideologischer Ziele geschickt zu instrumentalisieren wussten. Mit pseudorevolutionären Parolen, die vermutlich aus dem verstaubten Wortschatzrepertoire ihrer 68er-Eltern stammen, fordern die ver- und umerzogenen Weltverbesserer „Freie Bildung für alle“ und garantieren der Studentenschaft „einen heißen Herbst“. Aufzeigt und durchgesetzt werden sollen auch die „Möglichkeiten einer fortschrittlichen und emanzipatorischen Bildungs- und Gesellschaftspolitik“. Nicht wenige Studenten werden – trotz vorhandener Sympathien für das Anliegen des so genannten Bildungsstreiks – von derartigen Ausdrucksformen abgeschreckt  und bleiben deshalb verständlicherweise dem Protest fern. Mit dabei sind im Übrigen auch die Hochschulgruppen der Jusos, der Grünen und der Linkspartei/SED. Die hochschulpolitischen Vorfeldorganisationen der bürgerlichen Parteien CDU/CSU und FDP – der RCDS (Ring Christlich-Demokratischer Studenten) und die Jungen Liberalen – sind hingegen darum bemüht, die an bundesdeutschen Hochschulen vorhandenen Missstände klein zu reden und wollen sich für einen effizienteren Umgang mit den eingenommenen Gebühren einsetzen, von dem auch die Studierenden profitieren können sollen. Aus der Sicht eines Außenstehenden stehen also im Zentrum der hochschulpolitischen Auseinandersetzung auf der einen Seite linke Phrasen dreschende Schmuddelkinder und auf der anderen Seite neureiche Schnösel mit Hang zur Beschwichtigung. Gemeinsam haben beide Seiten, dass sie in der Regel aus dem Hause des internationalistisch gesinnten BRD-Bildungsbürgertums entstammen. Zutreffend erklärte dieser Tage in diesem Zusammenhang der NPD-Landtagsabgeordnete Jürgen W. Gansel: „Wenn sich linksgestrickte Studenten nun über die Verschulung des Studiums und damit den Verlust von persönlicher Autonomie ausheulen, sind sie Opfer genau der Internationalisierung geworden, die sie sonst in Weltbürgermanier doch immer beklatschen.“

Den Initiatoren des Protestes zu schaffen macht, wie es scheint, nicht nur die Belastung ihres Studiums mit Gebühren, sondern insbesondere auch der Leistungsdruck. Die Ursachen für letzteren sind vielschichtig – eine Pauschalierung verbietet sich in diesem Fall. Es wäre vermessen zu behaupten, dass ein solcher Druck nur bei leistungsunwilligen Studenten entstehen könnte. Infolge der Studiengebühreneinführung mussten sich viele der Studenten aus bescheideneren Elternhäusern eine Erwerbsmöglichkeit suchen, um die durch ihr Studium entstandene finanzielle Belastung besser schultern zu können. Zeitgleich haben die Reformen des sog. „Bologna-Prozesses“ zu eine zunehmenden Verschulung des Studiums geführt - das akademiksche Prinzip wurde dadurch in vielen Studiengängen abgeschafft. Ziel dieser Umgestaltung des Bildungssystems ist der zügige Erwerb eines sog. Bachelor-Abschlusses, der für den europaweiten Vergleich geeignet sein soll. In vielen Disziplinen entsteht dadurch ein europäisches Einheitsstudium – das deutsche Hochschulwesen wurde im Hinblick auf die zu vermittelnden Lerninhalte zu einem beachtlichen Teil aus seinem nationalstaatlichen Ordnungsrahmen ausgegliedert. Absolventen sollen ihr Wissen schließlich – gemäß der kapitalistischen Logik von der weltweiten Verfügbarkeit von Arbeitskräften – auch auf dem internationalen Arbeitsmarkt anbieten können. Dem eigentlichen Forschungs- und Lehrauftrag der Universitäten kann angesichts dieser klaren Zielvorgaben eine nur noch untergeordnete Bedeutung beigemessen werden. Flexible Arbeitsgestaltung unter Einhaltung eines vorgegebenen Leistungsniveaus - ohne ein starres Punktevergabesystem - ist vielen Studenten seitdem nicht mehr möglich. Insofern besteht zwischen den Bologna-Reformen und der Erhebung von Studiengebühren sehr wohl ein innerer Zusammenhang, den es zu thematisieren gilt.

Die bayerischen Nationaldemokraten bekennen sich auch weiterhin zum Humboldtschen Bildungsideal. Damit verbunden ist eine ganzheitliche Ausrichtung unseres Bildungssystems unabhängig von sich konjunkturell verändernden Nachfragen des Weltmarktes, die sich meist nur auf einzelne Wissenschaftszweige beschränken und häufig sehr kurzlebig sind. 

Wir wollen, dass deutsche Absolventen das im Studium erlernte Wissen in erster Linie in ihrer Heimat – und die ist nun einmal Deutschland – zur Anwendung bringen können. Darüber hinaus darf sich der Universitätsbetrieb nicht nur auf die Vermittlung von Lerninhalten konzentrieren – es muss zudem Raum für wissenschaftliche Forschung und Entwicklung freigehalten und geschaffen werden. Die Bezahlung wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Lehrstühlen bayerischer und fränkischer Universitäten fällt zum Teil katastrophal aus. Nicht umsonst verlassen die besten Absolventen, welche für die verantwortungsvolle Erledigung von Forschungsaufgaben am ehesten geeignet wären, nach ihrem Studium die Universität und gehen ein Anstellungsverhältnis in der Privatwirtschaft ein. Zurück bleibt häufig nur mittelmäßiges Personal, dem man dann durch Promotions- und günstige Wohnungsangebote die Besetzung wissenschaftlicher Mitarbeiterstellen schmackhaft machen will. Dieses Dilemma stellt den vorläufigen Höhepunkt einer Entwicklung dar, welche auf die einseitige Ökonomisierung unserer Gesellschaft bzw. des Bildungswesens zurückzuführen ist.

Als unverantwortlich bezeichnet werden muss auch die Einführung der Studiengebühren durch den bayerischen Landesgesetzgeber. Diese hat zur Folge, dass der Berufsstart vieler Absolventen mit der Tilgung eines Schuldenberges beginnt. Man selbst hat ja sein Studium bereits vor Jahrzehnten, als dieses noch gebührenfrei war, abgeschlossen – das Studium der eigenen Kinder finanziert man dann durch die reichhaltigen Diäten, die einem der Steuerzahler gewährt.

Nach Auffassung der bayerischen NPD hat das Erststudium im Rahmen der Regelstudienzeit gebührenfrei zu sein. Bereits in unserem Bayernprogramm forderten wir aus diesem Grund eine Revision des Bayerischen Hochschulgesetzes. Bei Überschreitung der Regelstudienzeit könnte beispielsweise eine mehrere Semester andauernde Lehrstuhlmitarbeit Gebühren befreiend angerechnet werden. Leistung und Fleiß müssen aber auch aus unserer Sicht die Prämissen des deutschen Hochschulwesens bleiben. Seine Ökonomisierung lehnen wir allerdings strikt ab.

Wer sich nur deshalb an einer Hochschule einschreibt, weil er sich nach Abitur für viele Jahre ein ruhiges Leben auf Kosten der Allgemeinheit gönnen möchte, hat dort nichts verloren. Dies gilt insbesondere für linke Soziologiestudenten im 25. Semester!

Nein, Bildung darf auf gar keinen Fall vom Geldbeutel der Eltern abhängig gemacht werden – sehr wohl aber von der Fähigkeit und Bereitschaft des einzelnen Studenten zur Leistungserbringung. Wenn die aktuellen Studentenproteste diesen Gedanken verinnerlicht haben, verdienen sie die uneingeschränkte Solidarität der bayerischen Nationaldemokraten!
 

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