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30.07.2011

Lesezeit: etwa 10 Minuten

Die deutschen Milchbauern – ein aussterbender Berufsstand

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Derzeit gibt es etwa 70.000 bis 90.000 Milchbauern in Deutschland. Niemand kennt die genaue Zahl, denn jeden Tag werden es weniger. Die Schuld am Bauernsterben trägt ein System, das sich die freie Marktwirtschaft auf die Fahnen geschrieben hat, tatsächlich aber die Höfe durch Methoden ruiniert, die beileibe nichts mit Marktfreiheit und Liberalität zu tun haben.

40 Cent für einen Liter Milch – das ist die Forderung, die von jedem zweiten Gartenzaun in den Dörfern der Republik an die Öffentlichkeit drängt. 40 Cent, das ist der Preis, den die Milchbauern von den Molkereien verlangen, um kostendeckend produzieren zu können. Doch der tatsächliche Milchpreis liegt weit darunter. Bei etwa 21 Cent lag er, als 2009 der Milchstreik die Gemüter erhitzte und die Dämme brachen. Aus einer Mischung von Protest und Verzweiflung schütteten die Bauern den lebensspendenden weißen Saft auf die Straße und blockierten die Zufahrtswege zu den Molkereien, um auch den Streikbrechern die Dringlichkeit ihres Vorhabens zu demonstrieren. Es folgten Demonstrationen in Berlin, Brüssel, Straßburg. Erst da bemerkte die Öffentlichkeit, daß im Geschäft um die Milch etwas nicht stimmt.

Der Milchstreik zeigte kurzfristig Wirkung, doch ist diese längst verflogen. Und weil der Preis nicht mehr ganz so tief im Keller ist wie im Frühjahr 2009, scheint sich auch die Systempresse nicht mehr für das Thema zu interessieren – zum Leidwesen der Bauern, die nach wie vor nicht kostendeckend produzieren können. Im ersten Quartal 2011 lag der Milchpreis zwischen 28 und 33 Cent – das Hofsterben geht weiter.

Damit es überhaupt zu einem bundesweiten Protest der Milchbauern kommen konnte, mußte schon einiges geschehen – denn Bauern sind von ihrem Naturell her alles andere als politisch denkende Menschen, die bei der kleinsten Unstimmigkeit auf die Barrikaden gehen. Über Jahre hinweg unter Verlustgeschäften den Hof über Wasser zu halten geht materiell wie psychisch an die Substanz. Das hat den Entschluß zum Boykott nicht leichter gemacht, denn sich dem Protest ihres Berufsstandes anzuschließen bedeutete für die Landwirte auch, selbst auf die gut 20 Cent pro Liter zu verzichten und stattdessen die Milch in die Kanalisation zu schütten – zumal Berichte über Ersatzlieferungen aus Osteuropa schnell die Runde machten, tatkräftig unterstützt durch die Systemmedien, um so den Streikenden die Luft abzudrehen. Dennoch, die Bauern hielten stand und demonstrierten ihre Macht gegenüber dem Ausbeutersystem, das in Personen wie Theo Müller seine Galionsfiguren gefunden hat. Doch mittelfristig waren die guten Bemühungen schlichtweg für die Katz.

Lange brauchten die Bauern, um zu begreifen, wo ihre wahren Gegner sitzen. Von den großen Parteien und den Herrschaften in Brüssel wurden sie jäh enttäuscht. Ganz zu schweigen vom Bauernverband, der eben nicht, wie es sein Name vermuten ließe, die Interessen der Landwirte politisch vertritt, sondern die Dumpingpreise im Interesse der Molkereien forciert – nach einem Schema, das man als das grundlegende Funktionsprinzip der Bundesrepublik ansehen könnte: ein vermeintlicher Interessenvertreter, ob Bauernverbandsfunktionär oder Gewerkschafter, bekommt ein gut dotiertes Pöstchen im Aufsichtsrat eines Konzerns und spielt brav mit.

Wo aber liegt der Hund begraben im Milchmarkt der Bundesrepublik Deutschland, respektive der Europäischen Union? Die Antwort ist gar nicht so schwer und ist mit elementarer Markttheorie zu erklären: Die Nachfrage nach Milch bleibt mehr oder weniger konstant, aber es gibt ein stetes Überangebot, das die Preise in den Keller sacken läßt. Diese Überschüsse zu verhindern wäre eigentlich die Aufgabe der Politik, die mittels der Milchquote genau das hierzu geeignete Instrument in den Händen hält. Die Quote schreibt jedem Milchbauern vor, wie viel Milch er in einem Jahr produzieren darf – hält er sich nicht an die Vorgaben, so drohen Bußgelder. Auf diese Weise soll der Markt ins Gleichgewicht kommen.

Nur: Die Quotenpolitik der EU bewirkt das krasse Gegenteil, da sie so hoch angesetzt ist, daß der Markt von einem ständigen Übergewicht auf Seiten des Angebots belastet wird, was die Preise drückt. All das ist natürlich kein Zufall, sondern Folge des Lobbyismus der Molkereien in Brüssel.

Um die Zusammenhänge noch ein bißchen zu verschleiern, damit keiner den Grundfehler des Systems erkennt, braucht es eine weitere Komponente. Hier kommen die Subventionen ins Spiel. Diese werden den Bauern gewissermaßen als Beruhigungspillen ausbezahlt. Wenn der Milchpreis mal wieder ein neues Rekordtief angenommen hat, dann schlägt man auf die Subventionen ein paar Prozent drauf. Das reicht zwar nicht, um kostendeckend zu produzieren, aber es bremst den Niedergang der Höfe zumindest vorübergehend leicht ab. Und: Es hilft, die Solidarität zwischen Bauern und Bevölkerung zu untergraben. Denn der informierte Zeitungsleser staunt nicht schlecht, wenn er erfährt, daß die EU rund die Hälfte ihres Jahreshaushalts von über 100 Milliarden Euro für landwirtschaftliche Subventionen ausgibt. Da haben wir es wieder: Die Bauern bekommen es vom Staat hinten rein geschoben und jammern auch noch, wenn der Milchpreis sinkt!

Dabei lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen, zu der Frage, wo die Subventionen denn überhaupt landen? Es sind nämlich vergleichsweise nur Almosen, die den Kleinbauern zugute kommen. So erhalten rund 70 Prozent der Bauern nur 25 Prozent der Subventionen. Um so mehr fällt für diejenigen ab, die beim Jahresumsatz am anderen Ende der Liste stehen: 2009 kassierte etwa der Molkereigigant Nordmilch stolze 51 Millionen Euro, gefolgt von der Südzucker AG mit 42 Millionen. Auch Konzerne, die mit der Landwirtschaft rein gar nichts am Hut haben, kommen in den Genuß von Zahlungen, etwa RWE und der Waffenhersteller Rheinmetall. In dieser Union gibt es nichts, was es nicht gibt!

Fassen wir zusammen: Die Milchquote sorgt für ein konstantes Überangebot und somit einen geringen Milchpreis. Gleichzeitig subventioniert man die Höfe auf Kosten des Steuerzahlers, um den Frust der Bauern in Grenzen zu halten. Auf diesem System würde nicht „EU“ draufstehen, wenn das schon genug des Irrsinns wäre. Es kommt nämlich noch dicker. Die so produzierten Überschüsse werden zu Milchpulver verarbeitet und – wieder subventioniert durch die EU – in die Dritte Welt verscherbelt, um dort die lokalen Märkte zu zerstören. So etwa in Burkina Faso, wo die EU-Dumpingexporte pro Liter im Endpreis sieben Cent unter den dortigen Produktionskosten liegen. Aber macht ja nix: Denn wenn dort die Menschen in bitterster Armut leben, kann man ja Entwicklungshilfe zahlen, die dann in einem Sumpf aus Korruption versickert und nur zu einem Viertel bei den Bedürftigen ankommt…

Hier können auch wir Nationale einiges dazulernen. Die Tatsache, daß Schwarzafrikaner hierzulande meist nur als Drogendealer und Asylschmarotzer auffallen, sollte uns nicht daran hindern, Solidarität mit den Heimatländern dieser unwillkommenen Gesellen zu zeigen – insbesondere deshalb, weil diese Staaten am gleichen System leiden wie wir.

Man hat sich also einen EU-weiten Filz geschaffen, bei dem die Molkereien profitieren, die Bauern in Europa und der Dritten Welt ihre Existenzgrundlage verlieren und der Steuerzahler belastet wird. Wie sieht der Ausweg aus diesem Dilemma aus? Die Bauern haben eine klare Antwort darauf: Sie wollen keinen Staatssozialismus, sondern einen fairen Wettbewerb, in dem das Überangebot durch die Erzeuger reguliert wird. Es soll also eine von den Landwirten ins Leben gerufene Behörde geben, die jedem Hof eine Höchstmenge an zu produzierender Milch zuordnet, derart, daß das Gesamtangebot stimmt und ein fairer Preis dabei herauskommt. So schlägt es Romuald Schaber, Gründer des Bundesverbands deutscher Milchviehhalter BDM) und Vorsitzender des European Milk Board, in seinem 2010 erschienenen Buch „Blutmilch“ vor. Das scheinbar Skurrile daran ist: Obwohl die Bauern im Gesamten weniger Milch produzieren, kommt am Ende mehr für sie heraus. Skurril ist das jedoch nur deshalb, weil man auf den ersten Blick nicht erkennt, daß ein Überangebot von zehn Prozent die Preise auf die Hälfte dessen drückt, was eine kostendeckende Kalkulation erfordern würde.

Daß das von Schaber vorgeschlagene System jedoch funktioniert, beweist er eindrucksvoll am Beispiel Kanadas, wo der Milchmarkt seit einigen Jahren nach genau diesem System organisiert wird. Dort liegt der Preis konstant oberhalb von 40 Euro-Cent, weil die Verbraucher gemeinschaftlich dafür Sorge tragen, daß es keine Milchseen gibt und es auch keiner subventionierten Billig-Exporte bedarf!

Schaber geht in seinem Buch auch mit der fortschreitenden Technisierung und dem Absterben des Familienbetriebs ins Gericht. Aus gesamtheitlicher Sicht, so seine These, sei der Großbetrieb nicht wirtschaftlicher als der kleine Hof auf dem Dorf. Denn diejenigen, die die Massentierhaltung voranbringen und Tag und Nacht nur Wachstum predigen, verschweigen nur zu gerne die Kosten, die der Gesellschaft als Folge der industrialisierten Landwirtschaft aufgebürdet werden. Schaber nennt unter anderem die überlasteten Böden, das Problem der Entsorgung von Gülle, die fehlende Bewirtschaftung der Almwiesen – von gesundheitlichen, ethischen und kulturellen Aspekten ganz zu schweigen! „Daß Wachstum Grenzen hat und weder Boden noch Tier ausgelaugt werden dürfen, weiß jeder Bauer. Es bekommt weder Boden noch Tier noch dem Geschmack der so produzierten Lebensmittel im XXL-Format. Nur die Agrarpolitik weiß nichts von natürlichen Grenzen des Wachstums.“ Eine Mahnung an die Gralshüter des globalen Wettbewerbs!

Doch selbst wenn die Milch vom Kleinbauernhof samt aller gesamtgesellschaftlichen Kosten immer noch teurer wäre als die aus dem industriellen Großbetrieb? Was macht das schon, wenn der Liter Milch ein paar Cent mehr kostet? Der Verbraucher sollte dazu bereit sein, eine Teuerung der Lebensmittel zu tolerieren – zumindest wenn davon die heimischen Landwirte profitieren und nicht die Spekulanten an den internationalen Rohstoffbörsen!

Wir als NPD müssen der Anlaufpunkt für den bedrohten Bauernstand sein – nicht allein aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit oder der Ernährungsautarkie, sondern auch und vor allem, weil das Bauerntum unsere Geschichte wie kein zweiter Berufsstand geprägt hat und somit ein unverzichtbarer Bestandteil des deutschen Kulturschatzes ist.

Dazu einige Worte aus dem Buch des „Bauernrebellen“ Schaber: „Der Mensch, der der Natur entfremdet ist, der kein Gefühl mehr für das Wetter hat, der keine Erde mehr riecht, der kein Tier mehr berührt, der keine Pflanze mehr pflegt und keine Frucht vom eigenen Baum mehr pflückt, ist entwurzelt. Ohne Wurzeln kann der Einzelne nicht leben. Irgendwo müssen sie in der Gesellschaft noch sein und gepflegt werden. Noch vor wenigen Jahrzehnten hatten die meisten Menschen bäuerliche Wurzeln. (…)

Die vorsätzlich betriebene, radikale Entbäuerlichung Deutschlands hat einen gigantischen Preis, der nicht nur in Euro und Cent bezahlt wird. Bauern sind das Ferment, das Heimat schafft und Natur erhält. Wir können nicht auf Heimat und Natur verzichten. Den eigentlichen Preis zahlen wir mit unserer Seele. Wir alle – Bauern und Nichtbauern – dürfen es nicht zulassen, daß wir aus natürlichen Zusammenhängen herausgerissen werden, daß unsere Heimat verscherbelt und unser Land vertickert wird, nur weil eine Handvoll sogenannter Marktwirtschaftler behauptet, daß nach ein bißchen Strukturwandel der Käse beim Aldi noch billiger würde.“

Diese Sätze könnten eins zu eins in einem landwirtschaftlichen Aktionsprogramm der NPD stehen. Wir Nationalen haben seit jeher eine besondere Beziehung zum Bauerntum als Grundlage für die Ernährung des Volkes. Es liegt an uns, daß das auch die Bauern in Deutschland begreifen!
 

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