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22.07.2009

Lesezeit: etwa 2 Minuten

Multinationale Milchkonzerne zerschlagen (mit Filmbeitrag)

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Leserbrief vom Direktkandidaten Stefan Faber im Donaukurier

Die fünf Bundestagskandidaten versuchen, Pluspunkte zu sammeln mit bauernfreundlichen Botschaften. So etwa Reinhard Brandl, CSU: "Wir in Bayern brauchen unsere Bauern. Die Bauern gehören in Bayern einfach dazu". Und er will ihnen unter die Arme greifen. Diese Sprüche kommen mir bekannt vor. Ein ehemaliger bayerischer Ministerpräsident erklärte vor den Wahlen: "Wir werden es nicht zulassen dass die Milchbauern in existenzielle Schwierigkeiten geraten". Das klingt nicht nur wie blanker Hohn, das war blanker Hohn. Denn nichts ist geschehen.

Ins gleiche Horn mit dem gleichen Satz bläst nun der bayerische Ministerpräsident. Nach einer Milchbauerndemonstration im April versprach Seehofer noch am gleichen Abend den aufständischen Bauern mehr Geld. Geld aus einem angeblichen Konjunkturprogramm der EU. Am übernächsten Morgen konnte man dazu in einer Pressemitteilung vom Milchbauernpräsidenten Schaber folgendes lesen: "Der Durchbruch sei nicht geschafft". Er bestätigte dass die Preise für Trinkmilch, Joghurt und Quark weiter nach unten verhandelt worden seien. Auch die SPD schlägt in dieselbe Kerbe, und will die einzige Rettung für Milchbauern sein.

Somit wollen sich die Böcke, deren jahre- und jahrzehntelange Politik erst überhaupt solche Zustände ermöglicht hat, zu Gärtnern machen. Die Talfahrt der Milchpreise ist ein seit Jahren fortschreitender Prozess, bei dem die Politik beständig alle Schuld von sich weist und dem freien EU-Binnenmarkt alle Regelung überlässt. Die Großmolkereien geben den Schwarzen Peter wiederum an die angeblich preisdiktierenden Großeinzelhändler wie Aldi, Rewe und Tengelmann weiter. Bloße Appelle an die Molkereien sind eine Ohrfeige ins Gesicht der Milchbauern. Das Landwirtschaftsministerium bleibt untätig, während sich eine große Mehrheit der Deutschen mit ihren Milchbetrieben solidarisiert.

Molkereigiganten sind mehr denn je in der Lage, Erzeugerpreise zu drücken. Dass es dabei auch um Existenzvernichtung geht, scheint auf dem Altar der Gewinnmaximierung und europäischen Konkurrenzfähigkeit geopfert zu werden. Das alles ist gewollt. Die Politiker der großen Koalition bestätigen mit ihren Aussagen tagtäglich diese Marschrichtung. Man muss sich wohl heute schon überlegen, aus welchem EU-Billiglohn-Ausland wir künftig Milch beziehen können. Denn lange halten unsere heimischen Milchwirtschaftsbetriebe diesen Existenzkampf nicht mehr stand.

Ich frage mich: Wie lange lassen sich die deutschen Landwirte durch dümmliche Bauernverbands- und Politikersprüche eigentlich noch aufs Kreuz legen? Meiner Meinung nach sollte der Milchpreis der EU als Reglementierungsbehörde wieder entrissen werden. Das Preisstützungsniveau der EU ist von 1982 bis 2009 von 35 Cent auf 20 Cent je Liter gefallen. Eine Aufhebung und Zerschlagung von multinationalen Milchkonzernen, die schamlos ihre Machtposition missbrauchen, wäre angebracht. Kartellbehörden müssen endlich handeln. Keine Wendehälse sind jetzt gefragt, die in dem Menschen nur potenzielles Stimmvieh sehen, sondern eine Politik, die sich der Menschen auch annimmt.

Stefan Faber, Ingolstadt

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