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06.12.2010

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Der Leidensweg deutscher Kinder in Dänemark

Sie hießen Heinrich, Helmut und Walter, Karin, Maria oder Ingelore. Zu hunderten liegen sie unter der Erde des größten Kopenhagener Friedhofs Vestre Kirkegard – in der entlegensten Ecke, wohin sich einheimische Trauernde kaum verirren.
Auf schmucklosen Grabkreuzen oder Steinplatten, unter denen bis zu zwölf Leichen verscharrt wurden, stehen ihr Namen. Manchmal ist nur eine vage Identität geblieben: „Kottmann Kind 7.4.45“ oder „ein unbekanntes Flüchtlingskind“ steht da in verblichenen Lettern.
Meist sind immerhin Geburts- und Todesdatum überliefert. Und obwohl kaum weitere Details in den Totenbüchern festgehalten sind, lassen stumme Zahlen doch die tragischen Schicksale erahnen. Das von Adelheid Wandke zum Beispiel. Das kleine Mädchen schien bereits in Sicherheit zu sein. Die Rote Armee kämpfte vor Berlin, die US-Army stand an der Elbe bei Magdeburg. Da entkam Adelheid gerade noch rechtzeitig den Kriegswirren – mit einem der letzten Flüchtlingsschiffe über die Ostsee, ins scheinbar ruhige Dänemark. Doch da Ende des Krieges hat auch Adelheid nicht erlebt. Am 21.April 1945 war Adelheid Wandke tot. Nicht einmal zwei Jahre alt ist sie geworden. Lissy Engel ging es nicht besser: 46 Tage nach der Kapitulation der Deutschen in Dänemark am 5.Mai 1945 war auch dieses einjährige Flüchtlingskind nicht mehr am Leben. Adelheid, Lissy und die anderen, zum Teil Namenlosen, gehören zu den letzten deutschen „Opfern des Zeiten Weltkrieges“, wie auf einer Steintafel vor ihren Gräbern steht. Sie waren viele, und sie liegen nicht nur in Kopenhagen.
An die zehntausend deutsche Kinder unter fünf Jahren sind nach der „Befreiung“ in dänischen Lagern gestorben – obwohl sie und ihre Angehörigen, wenn sie denn überhaupt noch welche hatten, sich eigentlich in Sicherheit wiegen konnten.
Die dänische Ärztin und Historikerin Kirsten Lylloff, 64, hat jetzt die bislang unerzählte Geschichte der toten Kinder aufgeschrieben. „Die größte humanitäre Katastrophe der Neuzeit in Dänemark“ nennt sie das massenhafte Sterben. Der Leiter des nationalen Roten Kreuzes, Jörgen Poulsen, spricht von einem „düsteren Kapitel“ der dänischen Geschichte, „ für da wir uns schämen müssen“.
Rund 250 000 deutsche Flüchtlinge konnten in den letzten Kriegswochen zwischen dem 11.Februar und dem 5.Mai noch aus dem untergehenden Deutschen Reich über die Ostsee nach Dänemark entkommen. Sie flohen vor der mordenden und brandschatzenden Sowjetarmee, kamen zumeist aus Ostpreußen, Pommern und dem Baltikum. Es waren größtenteils Alte, Frauen und Kinder. Ein Drittel war unter 15 Jahren.
Gestrandet in vermeintlicher Freiheit, begann für alle ein neues Martyrium. Die Flüchtlinge wurden von Kopenhagen bis Jütland in über hundert Lagern hinter Stacheldrahtverhauen interniert, bewacht von schwer bewaffneten Aufsehern. Das größte Lager hatte 37 000 Insassen und lag in Oksboll an der Westküste von Jütland. Die Ernährung war erbärmlich, die Krankenversorgung miserabel. Allein 1945 starben über 13 000 Menschen, darunter 7000 Kinder unter fünf Jahren. Damit kamen mehr deutsche Flüchtlinge in dänischen Lagern ums Leben, stellte Lylloff fest, „als Dänen während des ganzen Krieges“. Die Medizinerin, lange Chef- und derzeit Oberärztin für Immunologie in Hillerod bei Kopenhagen, sichtete 6200 Totenscheine und 6500 Grabsteine. Am Ende stand eine aufsehenerregende Dissertation („Kinder oder Feinde?“) und ein vernichtendes Urteil über die eigene Zunft: „Was waren das eigentlich für Monster in Menschengestalt, diese dänischen Ärzte von 1945?“, so fragt die Aurorin.
Wie Lylloff herausfand, hatte der dänische Ärzteverband im März 1945 beschlossen, deutschen Flüchtlingen keinerlei Hilfe zu leisten. Im selben Monat lehnte auch das Rote Kreuz jedes Engagement ab, so die Tageszeitung „Politiken“. Das Ergebnis: 80 Prozent der Kleinkinder, die das Schicksal nach Dänemark spülte, überlebten die nächsten Monate nicht.
Sie verhungerten oder waren aufgrund extremer Unterernährung zu schwach, um Infektionen zu widerstehen. Detaillierte Krankengeschichten gibt es nicht. Geblieben sind triste graue Grabsteine in endlosen Reihen.
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