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23.08.2017

Lesezeit: etwa 3 Minuten

Offener Brief an Dr. Karamba Diaby (SPD)

„Sehr geehrter Herr Dr. Diaby,

wie ich der Presse entnehmen konnte, war ein Beitrag der NPD auf Facebook, bei dem Ihr Wahlplakat zu sehen ist, Anlass genug, dass Sie Ihrerseits mit einem Text und der Überschrift „I AM NOT YOUR NEGRO!“ reagierten. Ich darf Ihnen versichern, dass wir Sie keinesfalls als „unseren Neger“ betrachten.

Feststellen möchte ich zunächst auch, mit Verlaub, dass ich Ihre Reaktion für ein aufgebauschtes Affentheater halte, wie man umgangssprachlich so schön sagt. Aber es ist Wahlkampf und in Wahlkampfzeiten wird übertrieben und zugespitzt. Das ist auch der Grund für den kurzen Begleitkommentar zu besagtem Beitrag auf der Facebook-Seite der NPD. Zu lesen ist dort lediglich:

‚„Deutsche“ Volksvertreter nach heutigem SPD-Verständnis.’ und ‚Wie heißt es doch: „Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!“’

Da Sie Mitglied der SPD sind, ist die Aussage offenkundig zutreffend. Dass die Sozialdemokraten das Volk und insbesondere die deutsche Arbeiterschaft verraten haben, sollte sich inzwischen ebenfalls herumgesprochen haben. Das ist zumindest der Eindruck bei den Bürgern, die wir an unseren Informationsständen antreffen. Gemeinsam mit den anderen Parteien, die immer mal wieder in Regierungsverantwortung sind oder waren, hat die SPD dafür gesorgt, dass es den Deutschen, die sich im unteren Einkommensdrittel bewegen, so schlecht wie nie zuvor geht. Das mittlere Drittel fühlt sich dank Ihrer asozialen Politik von andauernder Abstiegsangst bedroht. Wie nicht zuletzt der alljährlich erscheinende Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung zeigt, ist diese Angst mitnichten nur gefühlt – sie ist begründet. Bei rund 2,5 Millionen Kindern, die in einem Land wie Deutschland in Armut leben müssen, obwohl gleichzeitig Milliarden für Asylschwindler und Schmarotzer aus dem Fenster geworfen werden, halte ich den Begriff des Verrates für durchaus angebracht.

Lassen Sie mich noch etwas zu dem Begriff „Neger“ sagen, den nicht wir, sondern Sie ins Gespräch gebracht haben. Es ist verständlich, wenn Sie sich von ernsthaften Beleidigungen angegriffen fühlen und sich zur Wehr setzen. Ich persönlich bin kein Freund unterirdischer Beleidigungen, die auf die Herkunft eines Menschen abzielen. Allerdings ist der Begriff „Neger“ für mich kein Schimpfwort. Dass er negativ konnotiert ist, ist nicht rational begründet, sondern dem Umstand geschuldet, dass in Deutschland alles einem geradezu irrsinnigen Umdeutungsprozess unterworfen wird. Als „Neger“ wird gemeinhin ein Mensch mit dunkler Hautfarbe bezeichnet, was dem Ursprung des Begriffes (beispielsweise lateinisch niger für „schwarz“) zu entnehmen ist. Und Ihre Hautfarbe ist sehr dunkel. Noch vor wenigen Jahren hätte Sie jeder – auch Gutmenschen – ohne schlechtes Gewissen als „Neger“ bezeichnet.

Sie kennen die Reaktionsmuster der gutmenschlichen Öffentlichkeit nur zu gut, um zu wissen, dass Sie mit Ihrem inszenierten Kampf gegen einen kaum vorhandenen Rassismus Zuspruch ernten können, was sich im Wahlkampf sicher hervorragend macht. Ich kenne Sie persönlich nicht. Vielleicht sind Sie menschlich und persönlich sogar ein klasse Typ, was ich eher aufgrund Ihrer Parteizugehörigkeit als aufgrund der Tatsache, dass Sie als „Neger“ bezeichnet werden, ausschließen würde.

Vielleicht möchten Sie mit mir darüber sprechen. Sie sind herzlich eingeladen, Ihre Ansichten mit mir auszutauschen. Dafür böte sich eine Podiumsdiskussion an. Aus der Vergangenheit weiß ich aber, dass sich gerade SPD-Mitglieder gerne hinter dem Vorwand verstecken, nicht mit Rechten sprechen zu wollen. Ich wäre positiv überrascht, wenn Sie den entsprechenden Schneid an den Tag legen und einem öffentlichen Gespräch zustimmen.

Mit freundlichen Grüßen

Frank Franz“

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