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09.09.2017

Lesezeit: etwa 7 Minuten

Systemrelevante Bank mit Verlusten

Horrende „Derivate-Leichen“ im Keller der Deutschen Bank! 

Die Deutsche Bank, nach Bilanzsumme das größte Kreditinstitut der Bundesrepublik, wurde 1870 mit dem Ziel gegründet, die internationalen Handelsbeziehungen zu stärken. Gegenwärtig ist die Deutsche Bank weltweit in über 70 Ländern vertreten und obwohl die Deutsche Bank als Universalbank die gesamte Bandbreite der Banken- und Finanzdienstleistungen in ihrem Portfolio aufweist, liegt der Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit eindeutig auf dem Investmentbanking. Mit letzterer Weichenstellung erfolgten nach einem anfänglichen Strohfeuer exorbitanter Renditen aber auch die nachhaltigen Probleme. Bis vor nicht allzu langer Zeit und teils noch heute ist die Bank mit Fragen zu den Rechtsstreitigkeiten in den USA, zu Geldwäschevorwürfen im zweistelligen Milliardenbereich in Russland, zu Libor-Manipulationen, zur angedrohten 14-Milliarden-Dollar-Strafe beschäftigt. Existenzielle Probleme, die allen Bemühungen zum Trotz nach wie vor zur Belastung werden könnten. Unübersehbarer Ausdruck der Verstimmung unter den Aktionären war beispielsweise ein nur knapp die Mehrheit verfehlender Antrag einer Aktionärin auf der Hauptversammlung 2016, Schadensersatzansprüche gegen Spitzenmanager in einer Sonderprüfung zu untersuchen. Der neue Kapitän an Bord, John Cryan, kündigte mittels eines harten Kurswechsels 2015 an, einen drastischen Sparkurs in Milliardenhöhe einzuleiten. Die operativen Kosten sollen bis 2020 um 3,5 Milliarden Euro sinken, davon 60 % durch Effizienzsteigerungen, wie etwa einer stärkeren Digitalisierung der Geschäfte. Die restlichen 40 % sollen durch die Schließung von knapp 200 Filialen und den Rückzug aus unprofitablen Bereichen erreicht werden. Weltweit werden 16000 Mitarbeiter abgebaut, davon allein 4000 in Deutschland, das die Bank in ihrem Namen trägt.

Wies über viele Jahre die Eigentümerstruktur der Deutschen Bank eine große Streuung auf, dominieren mittlerweile zwei einflussreiche Großaktionäre die Geschicke des systemrelevanten und seit geraumer Zeit im Krisenmodus befindlichen Geldhauses. Das Industriekonglomerat HNA aus der südchinesischen Provinz Hainan, hatte die Schwäche des Geldhauses im vergangenen Jahr zum Kauf eines Aktienpakets genutzt, nachdem der Aktienkurs im Herbst 2016 unter zehn Euro gefallen war. Im Frühjahr 2017 erhöhte der chinesische Mischkonzern seinen Anteil an der Bank dann auf 9,9 Prozent. Einen ähnlich hohen Anteil halten zwei Scheichs aus der Herrscherfamilie von Katar. Beide verfügen nun auch über einen eigenen Vertreter im Aufsichtsrat. Daneben verfügt auch ein amerikanischer Fonds über Positionen von Relevanz. Auf dieses neue Machtgefüge wurde sogar die europäische Finanzaufsicht aufmerksam, weshalb die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) ein sogenanntes Inhaberkontrollverfahren mit Blick auf die beiden Großaktionäre ins Auge fasste. Hauptsächlich von Interesse dürfte jedoch sein, ob die gewichtigen Anteilseigner auch notfalls Kapital einsetzen, sollte – was in diesem Artikel als nicht unwahrscheinlich dargestellt wird - die Bank in eine erneute ernstzunehmende Schieflage geraten. Aufgrund einer erfahrungsgemäß oftmals relativ niedrigen Präsenz der Anteilseigner auf Hauptversammlungen könnten die beiden Großaktionäre abgestimmt fast alle wichtigen Entscheidungen der Bank dominieren. Auf der Aktionärsversammlung im Mai diesen Jahres war dies sogar schon zu beobachten. Nicht unerheblich könnte auch sein, dass hat die chinesische Bankenaufsicht etliche Finanzinstitute aufgefordert hat, die Finanzierungen ihrer Auslandsübernahmen neu zu bewerten.

Auch vom zwischen Katar und den anderen Golfstaaten entbrannten Konflikt bleibt die Bank nicht unberührt. Das Emirat Abu Dhabi beabsichtigt einem Bericht der „Financial Times“ zufolge, einen informellen Boykott gegen westliche Banken, an denen Katar größere Beteiligungen hält. Nicht nur, dass die Deutsche Bank 2016 dort 28 Millionen Euro Umsatz erzielte, insbesondere problematisch ist der denkbar ungünstige Zeitpunkt. Schließlich sind die Ölmonarchien am Golf bestrebt, ihre Ökonomien in den nächsten Jahren zu diversifizieren, wozu sie verstärkt auf den Kapitalmärkten auftreten dürften, indem zu erwarten lukrative Mandate für ansehnliche Anleihen sowie Großkredite an Investmentbanken auf ihre Vergabe warten. Sollte die Deutsche Bank hierbei nicht ihre angemessene Berücksichtigung finden, droht sie hinter die Konkurrenz zurückzufallen. Zu alledem kommt hinzu, dass auch die britische Bankenaufsicht Prudential Regulation Authority – angesiedelt bei der Bank of England – prüft, ob der Frankfurter Konzern nach dem Brexit noch seine Bankenzulassung auf der Insel behalten könne. Auch in den USA scheiterte die Deutsche Bank an den Steßtests der Federal Reserve und musste seine US-Tochter mit mehr Eigenkapital ausstatten. Dies alles belastet natürlich auch den Aktienkurs. Seit 2007 weist die Deutsche Bank-Aktie einen Kursabschlag von jährlich durchschnittlich Minus 13,9 % aus. Das Anlage-Risiko ist gemessen am sogenannten Verlust-Ratio, der Kennzahl, in der die Häufigkeit eines Kursverlustes mit dem gewichteten Durchschnittsverlust multipliziert wird, als hoch einzuordnen. Der Wert liegt zum Zeitpunkt als dieser Text verfasst wird oberhalb 4,3.

Angesichts all dessen verwundert es nicht, dass sich im vergangenen August eine ARD-Doku mit der Frage beschäftigte, wie gefährlich eigentlich die Deutsche Bank sei. Diese Fragestellung ist nicht unberechtigt, denn immerhin lautete es noch am 30. Juni 2016 in einer vom IWF veröffentlichten Untersuchung auf Seite 29: „Die Deutsche Bank tritt als bedeutendster Träger systemischer Risiken hervor.“ Nachdem die Bank zu den am meisten vernetzten Banken weltweit gehört, verwundert dies nicht. In besagter Doku kam neben der Erwähnung der Milliardenforderungen des US-Justizministeriums wegen fragwürdiger Immobiliengeschäfte auch der ehemalige IWF-Chefvolkswirt Simon Johnson zu Wort, der sich interessanterweise unter anderem wie folgt äußerte: „Immer wieder die selben Probleme, trotz veränderten Personals. Dies zeigt die tiefe Verwurzelung dieser Probleme und die Schwierigkeit ihrer Bewältigung.“ Der Wandel vom Emissionsberatungs- und -begleitungsgeschäft zum Eigenhandel, hat mit diesen Problemen zu tun, da im Zuge dessen immer mehr Risiken eingegangen wurden.

Etwa Mitte der 1990er Jahre fiel die Entscheidung, den Weg zur Hochleistungs- bzw. Hochrisiko-Investmentbank mit Derivatehandel und Verbriefungsgeschäft einzuschlagen. Der Kauf von Bankers Trust war ein erster Einstieg. Dies war ein Paradigmenwechsel von historischem Ausmaß, den der eben zitierte ehemalige Chefvolkswirt gegenüber ARD mit den Worten deutlich machte: „Die moderne deutsche Volkswirtschaft wurde nicht auf Basis spekulativer Finanzgeschäfte errichtet. Andere Länder, wie die USA haben immer schon auf Spekulation gesetzt, Deutschland nicht.“ Was infolge dessen schief lief brachte der New Yorker Professor für Unternehmensrecht John C. Coffee auf den Punkt, als er feststellte, dass seit 1995 in etwa 65 Milliarden Euro an Boni für Deutsche Bank-Mitarbeiter ausgeschüttet wurden, und zwar im Grunde dafür, dass diese außerordentliche Risiken eingingen, die der Bank später auch auf die Füße fielen. Manche Einzelpersonen sollen mehr als 100 Millionen Euro Bonuszahlungen jährlich eingestrichen haben.

Auch wenn es dem Bankinstitut Ende 2016 gelang, die 14 Milliarden Dollar Strafzahlung aus den USA auf 7,2 Milliarden herunterzuhandeln - 3,1 Milliarden gehen an amerikanischen Staat, der Rest wird als Rabatte geschädigten Kunden angeboten – wurden dennoch allein seit 2012 bereits rund 15 Milliarden an Strafen gezahlt. Doch nicht allein in der Rechtsabteilung der Bank dürfte Vollbeschäftigung herrschen, denn auch die neue Risikoabteilung umfasst inzwischen 650 Naturwissenschaftler, die mögliche Risiken versuchen zu kalkulieren. Das die Bank selbst noch mit einigen Herausforderungen rechnet, lässt sich mitunter daran ablesen, dass sie mit 7,6 Milliarden Euro Rückstellungen ins Jahr 2017 ging. Die Bank hat aber auch ein ausgewachsenes hausgemachtes digitales Problem. Derzeit verfügt die Deutsch Bank über 38 verschiedene Betriebssysteme aus unterschiedlichen Zeiten. Stephan Szukalski, Vorsitzender der Branchengewerkschaft im Banken- und Finanzsektor DBV, ließ hierzu unumwunden wissen, dass er keine größere Bank kenne, die eine vergleichbar technisch veraltete Systemlandschaft im Hintergrund hätte. Das Hauptgefahrenmoment dürfte jedoch der exorbitant hohe Bestand an im Keller der Bank schlummernden „Derivate-Leichen“ darstellen. Die unvorstellbare Summe von rund 485 150 000 000 Euro an Derivate-Bestand führt die Deutsche Bank im Portfolio. Dies entspricht ca. 30 % der Bilanzsumme und bedeutet den höchsten Wert aller europäischen Banken, ja mitunter weltweit. Überdies scheint der Konkurrenz die Bewältigung der Krisenschäden weitaus besser zu gelingen, denn während BoA, BNP und Commerzbank in 2016 wieder Gewinn erzielten verbuchte die Deutsche Bank einen Verlust nach Steuern von 1 356 Millionen Euro. Die Abwicklung fauler Geschäfte eingerechnet entfielen davon 880 Millionen Euro auf den Bereich Investmentbanking. Für Hedge-Fonds mag die anhaltende Konstitution der Deutschen Bank geradezu wie geschaffen sein, um Anlagepositionen umzuschichten, so dass gleichzeitig auf dadurch hervorgerufene Verluste gesetzt werden kann. In einem solchen Falle könnte die Systemrelevanz der Bank die Probleme schnell potenzieren und die Allgemeinheit mit einer erneuten Krise konfrontieren. Aber noch beträgt die Bilanzsumme der Bank in etwa 1,6 Billionen Euro und ist sie in der Lage rund 25 Millionen Euro Jahresgehalt für den Bankvorstand zu zahlen.

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