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28.05.2012

Lesezeit: etwa 2 Minuten

Sudetendeutscher Tag: Und jährlich grüßt das Murmeltier

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Es hat bereits Tradition, daß die CSU-Oberen alljährlich beim Sudetendeutschen Tag große Worte schwingen. Das wird noch bis zu dem Tag so weitergehen, an dem sich die schwarzen Herrschaften sagen, daß es sich wegen der paar Heimatvertriebenen, die noch nicht das Zeitliche gesegnet haben, nicht lohnt, große Versprechungen zu machen.

Beim diesjährigen Sudetendeutschen Tag in Nürnberg legte sich Ministerpräsident Horst Seehofer mächtig ins Zeug. Er forderte eine Entschädigung für deutsche Zwangsarbeiter die nach 1945 im Osten deportiert und in Lagern zu Sklavenarbeit herangezogen wurden. (Ja, lieber Bundesbürger, die Rede ist von deutschen Zwangsarbeitern, die von den Siegermächten zum Arbeitsdienst gezwungen wurden, so etwas gab’s wirklich!). Eine Einmalzahlung in Höhe von 5000 Euro soll jeder Betroffene erhalten. Die Kooperation werde vor allem mit Kirchen, Vereinen, Parteien und Verbänden in Tschechien gesucht, ergänzte CSU-Sprücheklopfer Bernd Posselt in seiner Eigenschaft als Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe.

Seehofers große Versprechen sind so billig und durchsichtig wie seine gespielte Empörung über die Erweiterung des EFSF-Rettungsschirms. „Bis hier und nicht weiter“, hatte der CSU-Chef noch im Herbst 2011 anläßlich der Erweiterung des deutschen Anteils von 123 auf 211 Milliarden Euro getönt. Als es dann im darauffolgenden März ernst wurde und die „Eiserne Lady“ Angela Merkel wie einst Maggy Thatcher wieder einmal skrupellos die Interessen Brüssels durchsetzten wollte, knickte Seehofer ein und erklärte seine Zustimmung zur erweiterten Euro-„Rettung“, bestehend aus dem EFSF und dem dauerhaften Rettungsschirm ESM.

Mehr ist auch von den jüngsten Parolen in Nürnberg nicht zu erwarten. Weder die Entschädigungszahlungen noch den von Seehofer angemahnten Gedenktag für die Vertriebenen werden in die Tat umgesetzt. Der CSU-Vorsitzende steht in guter Tradition, haben doch auch seine Amtsvorgänger immer große Töne gespuckt, wenn es galt, bei den Sudetendeutschen noch ein paar Dummköpfe zu finden, die als Gegenleistung für leeres Blabla gerne bereit waren, den schwarzen Dilettanten ein weiteres Mal ihre Stimme zu geben. Man denke etwa an Edmund Stoiber, der sich gerne über die Benes-Dekrete ausließ, und, kommt’s zur Tat, das Weite schimpflich suchte.

Was ist seither geschehen? Kein CSU-Politiker hat den Mund aufgebracht, als die Vertreiberstaaten Polen und Tschechien 2004 in die EU aufgenommen wurden. Mehr noch, als es um die Ratifizierung der EU-Ersatzverfassung von Lissabon ging, wurde der Vertragstext um eine Fußnote ergänzt, die ausdrücklich festlegt, daß die darin enthaltene Grundrechtscharta keine Gültigkeit für die Benes-Dekrete besitzt. Ansonsten hätten die vertriebenen Sudetendeutschen ihr geraubtes Eigentum vor dem EU-Gerichtshof einklagen können. Und so viele Menschenrechte will man in Brüssel dann doch wieder nicht. Wer kann sich an empörte Stimmen aus der CSU erinnern?

Denjenigen unter den Sudetendeutschen, die diesen CSU-Bonzen auch nur ein einziges Wort glauben, ist leider nicht mehr zu helfen. Es ist traurig, aber wahr – in dieser Beziehung zeigt sich der „vierte Stamm Bayerns“, wie die Sudetendeutschen immer wieder genannt werden, noch naiver als das durchschnittliche bundesrepublikanische Stimmvieh. Die Partei der deutschen Heimatvertriebenen ist deshalb – gestern wie heute – die NPD!

 

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