19.11.2009
"Leider ist die Redaktion von npd-bayern.de wie viele andere Medien auch, einer Verwechslungs-Geschichte aufgesessen, die sich vor allem im Weltnetz schnell verbreitet hat. Das nachfolgende Gedicht ist demnach nicht von Kurt Tucholsky, sondern von dem Wiener Schriftsteller Richard G. Kerschhofer, der unter anderem für die Zeitung "Deutsche Sprachwelt" schreibt. In der aktuellen Ausgabe diese Zeitung wird auch die Geschichte der Verwechslung beschrieben, der unter anderem auch die "Frankfurter Rundschau" und der "Berlin-Brandenburgische Rundfunk" zum Opfer fielen. Leider so auch npd-bayern.de. Allerdings - und das soll für den kritischen Geist von npd-bayern.de sprechen - war sich der verantwortliche Redakteur durchaus im Zweifel, ob dieses Gedicht 1930 entstanden sein könne. Eine "Google"-Anfrage ergab aber weit über 1000 Einträge, immer unter Tucholsky.
Wir möchten uns hiermit für unsere Leichtgläubigkeit entschuldigen. Aber in der heutigen Zeit ist es sehr schwer, zwischen Lüge und Wahrheit zu unterscheiden."
Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.
Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!
Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.
Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.
Trifft’s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!
Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.
Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.
Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!
Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.
Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.
(Schriftsteller Richard G. Kerschhofer)