Ein Thema beherrscht augenblicklich die Medien und verdrängt alle Nachrichten zu den sozialen und wirtschaftlichen Problemen der Welt: das Unglück auf dem Karibik-Inselstaat Haiti. Da werden nicht die seit Jahrzehnten fehlende Infrastruktur, die verantwortungslose Siedlungspolitik, die massive Unterstützung einer kleinen Herrscherschicht durch die USA mitverantwortlich gemacht, sondern an die kleinen Leute appelliert, wieder einmal ihr Portemonnaie zu öffnen.
Nun ist unbestritten, dass Naturkatastrophen auch internationale Hilfe und menschliche Solidarität erfordern. Doch, und das ist der Punkt meiner kritischen Bemerkungen, diese können nur eine Ergänzung zu Eigenvorsorge und Eigenhilfe sein. Seit einem halben Jahrhundert überweisen europäische Länder Entwicklungsgelder nach Afrika, Asien und Lateinamerika, verbunden mit immer drängenderen Appellen kirchlicher und privater Hilfsorganisationen zu mehr Spenden. Doch all die Milliarden, die jährlich in diese Länder fließen, kommen zumeist nicht bei den Bedürftigen an, sondern werden von der reichen Minderheit zum Zwecke der Stabilisierung des ungerechten Systems genutzt, oftmals gleich in ihre eigenen Taschen umgelenkt.
Dabei muß man nicht einmal in die Dritte Welt gehen. In manch ost- oder südeuropäischen Staat ist es ähnlich. Die Financial Times Deutschland berichtete am 14. Januar von einer Fernsehdokumentation über ein Dorf in Griechenland. Das Dorf, verwüstet durch die verheerenden Waldbrände von 2007, hatte private Spenden aus Australien erhalten, welche jedoch nie bei den Opfern ankamen. Stattdessen wanderten sie in den Bau eines neuen Rathauses inmitten eines Naturschutzgebiets. Für die dafür Verantwortlichen war das geradezu reine Selbstverständlichkeit.
Es muß Schluß sein mit dieser Art von Hilfe, die nichts an den versklavenden Ursachen ändert und nur die Härte der Sklaverei mildert. Das verlangt aber auch von uns beispielsweise in Deutschland ein neues Verständnis unserer Verantwortung. Auch in unserem Land gibt es aufgrund der Globalisierungspolitik der Regierenden immer tiefer gehende soziale Unterschiede. Statt der mit Hartz IV versprochenen Millionen neuer Arbeitsplätze erhöhte und erhöht sich die reale Zahl der Arbeitslosen um Millionen.
Auch in unserem Land versucht man, Elend und Not zu mildern. In meiner Kreisstadt Seelow (Brandenburg) zum Beispiel gibt es das Tafeleck “Brotkorb”, damit bedürftige Menschen aus der Seelower Umgebung wenigstens ein Minimum an Lebensmitteln zur Verfügung haben. An zwei Tagen der Woche - Dienstag und Freitag - können alle Personen mit einer Berechtigungskarte Waren erhalten. Um zu gewährleisten, dass eine gerechte Verteilung der Lebensmittel erfolgt, werden gegen 10 Uhr an den Ausgabetagen 30 Lose verteilt, die die Reihenfolge der Warenausgabe bestimmen. Jeder Kunde bekommt einen Beutel voller Lebensmittel, für den eine Spende von zwei Euro gezahlt wird.
Für die Notleidenden in Seelow und Umgebung ist diese Hilfe nicht minder wichtig wie für die Katastrophengeschädigten beispielsweise in Haiti. Aber dort wie hier reicht es nicht aus. Endlich muß sich in dieser Gesellschaft Grundsätzliches verändern. Bei vier Millionen Arbeitslosen muß endlich Schluß sein mit der von Wirtschaft und Politik verfolgten Praxis, das Reserveheer der Arbeitslosen durch Einwanderung von Ausländern noch zu erhöhen. Es muß jeder erwachsene Deutsche, der arbeiten kann, einen Arbeitsplatz erhalten, dessen Entlohnung ihm ein Leben ohne Sozialhilfe und „Brotkorb“ ermöglicht. Das hat Priorität. Das gilt es durchzusetzen. Gefordert sind auch die Konzerne wie die Regierung, die Verlegung der Firmen ins Ausland zu stoppen. Dazu aber benötigen wir eine Regierung, die eine nationale Politik betreibt. So wie Haiti endlich den Haitianern gehören und ihnen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen muß, so fordern wir auch für Deutschland das Recht auf Selbstbestimmung.
Dr. Kersten Radzimanowski














