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19.04.2007

Lesezeit: etwa 3 Minuten

Das Gammelfleisch und seine Ursachen!

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27.09.2006 Seit vielen Tagen beschäftigt die Öffentlichkeit nun der Wirbel um das sogenannte Gammelfleisch.
Teilweise 4(!) Jahre alte Dönerspieße sind neben zig Tonnen Gammelfleisch sichergestellt worden, nachdem bereits jede Menge davon in den Handel gelangte. Gammelfleisch taucht in ganz Deutschland in Massen auf. Selbst beim Papstbesuch in Bayern wird gemunkelt es sei solches unter die Leute gejubelt worden.

Als Koch, der nun seit dreizehn Jahren in der Gastronomie tätig ist, wird mir bei solchen Horrormeldungen speiübel. Wie man so verantwortungslos mit Nahrungsmitteln umgehen kann, ist mir vollkommen rätselhaft. Dies ist in meinen Augen keine Bagatelle mehr sondern gefährliche Körperverletzung und muss stärker geahndet werden.
Wundern sollte man sich über die späte Aufdeckung dieses Skandals nicht.
In unserem Gesundheits- und Hygienesystem ist ehrlich gesagt seit Jahren der Wurm drin. Kontrollen durch die Ordnungsämter der Stadt sind viel zu lasch und werden nur unzureichend und durch schlecht ausgebildetes Personal durchgeführt. Wenn diese Ordnungsämter ihre Kontrollen starten, laufen zu dem parallel die Telefone heiß. Es wird ein Rundruf gestartet um andere Gastwirte rasch zu warnen und so laufen die Herren ins Leere. Gerade bei ausländischen Gastwirten die andere Hygienevorstellungen aus Ihren Heimatländern mitbringen, fallen Tests gravierend schlecht bis gesundheitsbedenklich aus und sind Telefonketten gut organisiert.

Es sind aber auch die seit mehreren Jahren veränderten Gesetze in der Lebensmittelbranche die mir zunehmend Bauchschmerzen bereiten. Die Abschaffung von Gesundheitszeugnissen und die ersatzweise Einführung von lapidaren Schulungen über das richtige Händewaschen und verhalten bei Krankheit an seiner Stelle, tragen Mitschuld. Sie bewirken eine derzeit stattfindende Verrohung von mit Lebensmitteln arbeitender Menschen. Sich jährlich eine Schulung anzuhören ist das eine, sich im Gesundheitsamt einmal pro Jahr eine Nadel in den Arm stechen zu lassen und Stuhl und Urinproben abzugeben von ganz anderem Format. Ich plädiere dafür mindestens einmal im Jahr solche Tests wieder zwingend vorzuschreiben, für alle die im Lebensmittelgewerbe tätig sind. Außerdem so wie es früher schon einmal der Fall war, den Hepatitis Test im Gesundheitsamt als Teil eines Gesundheitszeugnisses aufzunehmen.

Ein weiteres Problem das aber in meinen Augen auch mitverantwortlich für das entstehen der hiesigen Fleischskandale ist, ist die Globalisierung und die damit verbundenen Dumpingpreise! Sie zerstören langsam aber sicher den heimischen Markt und drängen Gastwirte und Metzger an den Rand der Verzweiflung. Am Beispiel der Universitätsstadt Erlangen kann man es regional beobachten. Von ehemals dreißig Metzgern vor einigen Jahren ist nur noch eine karge Hand voll übrig geblieben. Dies schürt Existenzängste und führt erst recht dazu Gammelfleisch aus Überproduktion auf den Markt zu werfen. Die eigenen Zukunftssorgen verdrängen nur zu oft das gute Gewissen.

Wachen sie auf, es ist Zeit umzudenken!
Der Schlüssel liegt beim Verbraucher! Ziehen sie in Ihrem eigenen Interesse mit uns an einem Strang. Kaufen sie Waren aus regionalem Biologisch erzeugtem Anbau. Verpassen sie Brüssel und billigen Gen und Massenwaren eine Abfuhr. Wir könnten ein neues gerechteres System schaffen. Eine Volkswirtschaft die sich zum Wohle der Gemeinschaft am lokalen Bedarf orientieren würde. Ein grundehrliches Solidarisches Wirtschaftssystem, das auf den Vater der Qualität setzten würde, anstelle der Mutter aller Schnäppchen hinterherzuhinken! In diesem System könnten sie mit einem guten Gewissen zum Metzger in ihrer Nähe gehen, der für sie das Fleisch von Tieren aus der Gegend fachgerecht verarbeitet, der davon lebt und dabei noch Auszubildende einstellt. Dem der Kunde den er kennt nicht egal ist, weil er einen Ruf zu verlieren hat.
Wachen sie auf!
Regional isst National - Man ist eben nur was man isst.

Weg von der globalisierten Preishandelsdiktatur aus Brüssel - hin zu einer
echten Agrarwende –Aufwärts mit dem raumorientierten Volkswirtschaftssystem!


Martin Paulus
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