08.03.2010
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Die Präsidentin und das Starkbier
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Zur Hauptseite wechselnIn Diktaturen stehen selbst Kabarett- und Satireveranstaltungen unter dem Vorbehalt verordneter Denk- und Sprachschablonen. Dies mußte jetzt der Schauspieler Michael Lerchenberg auf dem Münchner Nockherberg, beim traditionellen Starkbieranstich in Bayern erfahren. Dort hatte er, vor versammelter Polit-Prominenz, in seiner „Fastenpredigt“ als Mönchsbruder Barnabas, Außenminister Guido Westerwelle aufs Korn genommen und formuliert: "Alle Hartz-IV-Empfänger sammelt er in den leeren, verblühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge, drumrum ein großer Stacheldraht - hamma scho moi g'habt. Dann gibt's a Wassersuppn und einen Kanten Brot. Statt Heizkostenzuschuss gibt's von Sarrazins Winterhilfswerk zwei Pullover, und überm Eingang, bewacht von jungliberalen Ichlingen im Gelbhemd, steht in eisernen Lettern: 'Leistung muss sich wieder lohnen.'"
Das Gelächter im Auditorium war kaum verklungen, als sich die Präsidentin des „Zentralrats der Juden in Deutschland“ Charlotte Knobloch vernehmen ließ: „Es ist eine Grenze überschritten worden, die nicht hinnehmbar ist.“ Das nicht Hinnehmbare bezog sich auf einen angeblichen „KZ-Vergleich“ der „eine Schande“ darstelle. Eigentlich wäre es unerheblich, was Frau Knobloch da so von sich gibt, würden nicht alle maßgeblichen BRD-Zeitungen, wie auf eine Kommando, die Befindlichkeiten der Frau Zentralratspräsidentin auf der Titelseite verbreiten, was dann wie ein Bannspruch wirkt, der den Getroffenen zum Abschuß frei gibt. Tatsächlich waren daraufhin die Tage von Michael Lerchenberg als Fastenprediger auf dem Münchener Nockherberg gezählt. Daß Außenminister Westerwelle, wie einst Baron Münchhausen, auf dem Bannstrahl daherritt und dem Nockherberg öffentlichkeitswirksam seine künftige Anwesenheit verweigerte, ist da eher ohne Belang.
Der ganze Vorgang wird die Beliebtheit des Zentralrates und ihrer Vorsitzenden beim gemeinen Volk noch erhöhen. Um so bedauerlicher ist der angekündigte Amtsverzicht von Charlotte Knobloch als Zentralratspräsidentin. Wer kann künftig noch so glaubwürdig über die mangelnde Beachtung der Juden am 9. November klagen? Und wer kann so vollkommen straffrei NPD-Mitglieder als eine „Zusammenrottung von Verbrechern“ bezeichnen, wie dies die freundliche Dame im Februar 2008 getan hat? Jedenfalls wird ohne Frau Knobloch die politische Landschaft der BRD wieder einmal ein bißchen ärmer.