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03.05.2010

Lesezeit: etwa 5 Minuten

Amerikanische Kriegsverbrechen im Raum München

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Zum 65. Jahrestag des Kriegsendes, am 8. Mai 1945, rücken wieder die Verbrechen der US-Armee in den Mittelpunkt des Gedenkens. Exemplarisch soll hier von drei Vorgängen im Raum München die Rede sein, die sich unmittelbar vor Beginn des Waffenstillstandes und in den Monaten danach ereignete.

Die Morde von Haar

Am 30. April 1945 waren bereits amerikanische Einheiten nach München vorgedrungen. In Haar, einer Gemeinde südöstlich von München, hielt sich noch eine versprengte Kompanie mit Wehrmachts- und SS-Soldaten auf, wovon der größte Teil aber bald nach Ebersberg abzog. Ein kleine Gruppe von sechs Soldaten der Waffen-SS, bis auf einen 40jährigen lauter junge Burschen, blieb im Ort und übernachtete im „Pflegerhaus“ an der Wasserburger Landstraße. Am Morgen des 1. Mai erreichten amerikanische Truppen den Ort Haar. Die sechs deutschen Soldaten hatten ihre Waffen abgelegt und verließen mit erhobenen Händen das „Pflegerhaus“.
Mehrere Augenzeuge berichteten übereinstimmend: Als die US-Soldaten die Zugehörigkeit zur Waffen-SS erkannten, wurden die Deutschen auf die andere Straßenseite getrieben. Dort, an der Einmündung der Leibstraße, wurden die Deutschen aufgestellt und mit automatischen Waffen (Maschinenpistolen) erschossen. Zivilisten hatten noch versucht, den US-Soldaten zu erklären, daß die sechs Männer sogenannte „Pflicht-SS-Soldaten“ seien, wurden aber abgewiesen: „Go home!“. Unter den Ermordeten befand sich der 19jährige Emil Otterstetter aus der Pfalz, der zum Sanitäter ausgebildet war. Die ermordeten Soldaten wurden am 3. Mai 1945 auf dem Gemeindefriedhof von Haar begraben. Der Haarer Bürger Günther Hauser hat die damaligen Vorgänge genauestens dokumentiert. Die „Süddeutsche Zeitung“ weigerte sich 1989 seinen Bericht abzudrucken. In diesem Zusammenhang gehört die Tatsache erwähnt, daß US-Kommandeure 1945 den Befehl ausgaben, keine SS-Männer gefangen zu nehmen. Im US-Nationalarchiv sollen sich Originalkopien von zwei niedergeschriebenen Kampforders von US-Regimentskommandeuren befinden, die befahlen, keine SS-Soldaten gefangenzunehmen.“

Das Massaker von Webling

Am Morgen des 29. April 1945 besetzte eine Einheit der Waffen-SS, 48 Angehörige des SS-Bataillons zur besonderen Verwendung RF-SS aus Augsburg, eine Verteidigungsstellung in Webling bei Dachau, die zuvor von einer anderen Einheit dort angelegt worden war.
Als am Vormittag desselben Tages US-Amerikaner der berüchtigten 42. Infanteriedivision (Regenbogen-Division) in den Ort fuhren, sollen sie beschossen worden sein. Daraufhin beschossen die Amerikaner den Ort mit MG- und Artilleriefeuer und gingen dann gegen die Höfe des Weilers vor. Der erste SS-Mann, der sich ergab, war Freiherr von Tuchsess aus Augsburg, einer der beiden Offiziere der Einheit. Nach Aussage eines Zeugen wurde der SS-Offizier sofort von einem amerikanischen Soldaten mit einem Spaten in solcher Wucht auf den Kopf geschlagen, daß der Schädel entzweigespalten wurde. Die anderen Soldaten des Waffen-SS-Trupps, die ebenfalls ihre Waffen niedergelegt hatten, wurden an einer nahen Böschung erschossen. Nach Aussage der Zeugen hinterließen die Amerikaner zwei tote SS-Offiziere und 41 tote SS-Leute aber keine Gefangenen. Nach der Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen wurden in Webling insgesamt 48 deutsche Soldaten ermordet, nachdem sie sich ergeben hatten. Sie wurden in einem Massengrab beigesetzt. Ein Gedenkstein, der 1989 auf die Morde hinwies, mußte auf Geheiß der Besatzer wieder entfernt werden. Die „Regenbogen-Division“ war für ihre Kriegsverbrechen berüchtigt. In Bensheim an der Bergstraße sollen mehr als 300 Gefangene der SS-Division „Götz von Berlichingen“, die in die Hände der Regenbogen-Division gerieten, mit zertrümmerten Schädeln beigesetzt worden sein. Angehörige dieser US-Division („Einer schießt, zwei plündern und drei malen Regenbogen“ – so die Selbstdarstellung) durften nach dem Krieg vor Münchener Gymnasiasten Vorträge halten.

US-Konzentrationslager bei Emmering (Füstenfeldbruck)

Weithin unbekannt ist heute jenes Gefangenenlager, das die US-Armee am 29. April 1945 zwischen dem Flughafen Fürstenfeldbruck und der Gemeinde Emmering auf freiem Feld errichtete. In den wenigen Monaten seiner Existenz (bis November 1945) kamen dort wahrscheinlich mehr als 5.000 deutsche Kriegsgefangene ums Leben. In den Schneefällen der ersten Maitage sammelten sich 40.000 bis 70.000 Gefangene in dem Lager, ohne jede Unterkunft und Verpflegung. Die Umzäunung bestand zunächst nur aus einem weißen Band, das zwischen Panzern an den Eckpunkten des Lagers gespannt war. Jeder, der sich der Absperrung näherte, wurde unter Feuer genommen. Zumindest in den ersten Wochen war die Verpflegungssituation katastrophal. Die Gefangenen kratzten mit Löffeln Eis und Reif von ihrer Kleidung um den Durst zu stillen. Erst am 7. Mai gab es erstmals Wasser. Essenslieferungen der Bevölkerung wurden zunächst nicht zugelassen. Bis sich Mitte Mai die Verpflegungslage verbesserte, starben jede Nacht bis zu 300 Gefangene an Hunger und Krankheiten. Nachts war es verboten aufzustehen oder ein Feuer zu entzünden. Ein Zeitzeuge erinnert sich, daß in den vier Tagen seines Lageraufenthaltes etwa 40 Gefangene von den Wachposten erschossen wurden. Eine Unterbringung gemäß den Bestimmungen der Genfer Konventionen war nicht gegeben. Mit einem Trick legalisierten die US-Amerikaner ihre Kriegsverbrechen. Man schuf für die Gefangenen kurzerhand einen DEF-Status (Disarmed Enemy Forces), d.h. „Entwaffnete Feindkräfte in der Hand der US-Armee“, die nicht durch diese zu versorgen und nicht gemäß der Genfer Konventionen zu behandeln wären. Es gab insgesamt 200 Gefangenenlager in der US-Zone. Das berüchtigtste war das Rheinwiesenlager.
In der Region westlich von München gab es neben dem Lager Emmering noch US-Lager in Dachau und Planegg.
Mit der spontanen Hilfe der Menschen in den umliegenden Gemeinden wurden Lebensmittel-Lieferungen für die Gefangenen von Emmering organisiert. Der Maisacher Landwirt Hans Schamberger büßte dabei ein Bein ein, nachdem sein Traktor von einem amerikanischen Militärfahrzeug von der Straße gedrängt wurde. Nach dem Besuch einer Kommission des internationalen Roten Kreuzes, Mitte Juni 1945, verbesserte sich die Lage im KZ Emmering spürbar. Der bisherige Kommandant, Major Strauss, ein Angehöriger der berüchtigten Regenbogen-Division, wurde in die USA zurückbeordert. Vor allem deutsche Emigranten, die sich unter dem US-Wachpersonal befanden, waren nach Zeugenaussagen üble Schinder der Gefangenen. Ein prominenter Gefangener des KZ in Emmering war der Kammersänger Rudolf Schock. Von den Amerikanern wurden Schock und andere Künstler (wie die Schauspieler Joe Stöckel und Josef Eichheim) zu Auftritten in den nahen Fliegerhost geholt.
Das 41 Hektar große Gelände des Lagers war für die landwirtschaftliche Nutzung über Jahre hinweg unbrauchbar geworden. Der Emmeringer Gemeinderat beschloß im Dezember 1945, das Gelände aufforsten zu lassen. Die Gemeinde hat am 1. Oktober 1989 einen gestifteten Stein als „Mahnmahl für den Frieden und Erinnerung an das Kriegsgefangenenlager“ aufstellen lassen.
 

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