09.05.2012
Daß Brot und Spiele eine traditionelle Form der Machtsicherung sind, ist schon länger bekannt. Während sich in früheren Zeiten die Herrschenden nicht lumpen ließen, ihre Untertanen bei Laune zu halten und leutselig Volksnähe demonstrierten, haben sich die Zeiten auch in dieser Hinsicht geändert. In Zeiten der sozialen Netzwerke verabredet man sich seit einiger Zeit gelegentlich über das Netz zu Veranstaltungen. Ministerpräsident Seehofer und sein CSU-Generalsekretär Alexander „the Brain“ Dobrindt hatten nun die supercoole Idee zu einer Facebook-Party zu laden. Ort des Geschehens war die Münchner Promi-Disko P 1, gerade klein genug, um sich auch bei vollem Haus wegen des versprochenen Freigetränkes nicht in Unkosten stürzen zu müssen. Das Interesse an der durchsichtigen PR-Aktion der Christsozialen hielt sich in überschaubaren Grenzen – neben 140 Medienvertretern wollten sich fünf- bis sechshundert „Feierwütige“ mit dem Horst amüsieren. Dies waren etwa so viele, wie in München an einem belebten Ort auch bei einem Verkehrsunfall oder bei einem Hausbrand stehen bleiben, um zu gaffen. Darüber hinaus dürfte es sich um weitestgehend selektiertes Publikum – vorwiegend CSU-Fußvolk – gehandelt haben, um nicht auf unbequeme Fragen antworten zu müssen. So brandete auch kurzzeitig die Erregungswelle auf, als sich der frühere NPD-Parteivorsitzende Udo Voigt frühzeitig zu Seehofer-Party anmeldete. Das wird auch einer der Gründe sein, daß die „Party-Location“ wie ein Hochsicherheitstrakt abgeriegelt war. Die Kosten für den Polizeieinsatz betragen das Vielfache dessen, was die CSU für ein paar hundert Freibier oder Apfelschorle hinlegen mußten.
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